Pastinake Erwerbsanbau

Aus Hortipendium
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Pastinaken
Pastinaca sativa
Linné
Synonyme
Germanenwurzel, Hammelwurzel
Pastinaken.JPG
Pastinaken
Systematik
Klasse Bedecktsamer
Magnoliopsida
Gruppe Eudikotyledonen
Kerneudikotyledonen
Asteriden
Euasteriden II
Ordnung Doldenblütlerartige
Apiales
Familie Doldenblütler
Apiaceae
Gattung Pastinaca

Pastinaken sind zweijährige Pflanzen, die in unseren Breiten wild vorkommen. Siehe Wegesrändern. Im ersten Jahr bilden sie eine rosettenartige Pflanze mit einfach gefiederten Blättern eine gelblich-bräunliche Rübe. Die Pflanzen sind frosthart und können in unseren Breiten gut überwintern. Im zweiten Jahr bilden sich dann die rund 1 m hohen Blüten- bzw. Samenstände.
Aus der Wildform der Pastinake (Pastinaca sativa) oder auch Gartenpastinak aus der Familie der Doldenblütler wurden im Laufe der Jahrhunderte Sorten mit einer dicken Rübe gezüchtet und gehörte schon im 18. Jahrhundert zu den am häufigsten kultivierten Gemüsearten in Europa. Nachdem sie in Deutschland in Vergessenheit geriet, gewinnt sie wieder an Beliebtheit.
Im Gemüsegarten ist sie eine pflegeleichte Kultur (siehe dazu Pastinaken im Hausgarten). Gegessene werden die Pastinaken geschälten Rüben in gedünsteter Form.


Gemüseart und Beikraut

Pastinaken gehören zur Familie der Doldenblütler und sind mit mit Knollenfenchel, Möhren, Petersilie und Sellerie verwandt. Die wildwachsende Form ist weit verbreitet. Ihre Blütenstände bilden die typischen Dolden mit den vielen kleineren Döldchen. Verschiedene Insektenarten lieben die Pastinakenblüten.

Bilder


Insektenparadies

Die Blüten der Pastinaken Pflanzen sind sehr beleibt bei einer großen Anzahl an Insektenarten.


Pastinaken Zuchtbetriebe und Saatgutlieferanten

Für den Anbau von Pastinaken unter den unterschiedlichsten Bedingungen gibt es verschiedene Saatgutanbieter. Vor Beginn des Anbaus ist es hilfreich, alle bedeutenden Zuchtbetriebe und wichtige Saatgutanbieter kennen zu kennen. Hier eine Auswahl wichtiger Betriebe mit ihrem Saatgutangebot. (Stand Febr. 2020).


Saatgut und Keimung

Pastinaken bilden ihre Blüten und Samen an Dolden. In den sogenannten Doppelachänen bilden sich jeweils zwei Teilfrüchte, die bekannten Pastinaken Samen. Die einzelnen Samen sind flach oval und haben oft eine sehr unterschiedliche Größe.

Pastinaken Saatgutdaten
TKM
Gramm
Korngröße
in mm
Ein Gramm
Kornzahl
Keimfähigkeit
in %
Keimtemperatur
in °C
Keimdauer
in Tage
Saatgutangebot
im Handel
Saatttiefe
in mm
3 - 5 g 4,0 - 7,0 mm
vorwiegende
Kalibergröße
3,75 - 4,75 mm
200 - 333 Korn Normalsaatgut 75%
Pillen
etwa 80-90%
10 - 25°C
empfehleswert sind
15 - 20°C
bei 15°C: 21
bei 20°C: 14 Tage
Normalsaatgut
Präzisionssaatgut
Freilandpille
Primepille
10 - 15

Saatgutangebote

  • Pastinaken Saatgut hat eine relativ kurze Lebensdauer. Aus diesem Grunde ist ein besonders enger Kontakt. zwischen Saatgutproduzenten und Anbauer vorteilhaft.
  • Vor der Saatgutverwendung sollte eine Überprüfung der Keimfähigkeit bzw. Triebkraft erfolgen.
  • Normalsaatgut gibt es u.a. in Einheiten von 500 g, 1,0 kg oder 2,5 kg
  • Pillensaatut und geprimtes Pillen-Saatgut gibt es u.a. in Einheiten von 10.000 oder 100.000 Stück.
  • Die oft verwendete Freilandpille hat eine Ø von 4-5 mm.

Saatgutübertragbare Krankheiten

  • Alternaria dauci (Alternaria)
  • Alternaria radicina (Alternaria)
  • Erysiphe heraclei (Echter Mehltau)
  • Itersonilia pastinacea (Blattflecken)
  • Calophoma complanata =Phoma complanata (Kopffäule)

Weiter Infos


Sortenwahl Pastinaken

Es gibt eine große Anzahl an Sorten, deren Eignung für die betriebseigenen Gegebenheiten zu prüfen ist. Hilfreich bei der Sortenwahl sind die verschiedenen Sorten-Versuchsergebnisse, die man online in Hortigate.de lesen oder runterladen kann.

Sorten Versuchsergebnisse
Hortigate: Pastinaken Sorten
Eine große Hilfe können auch die jährlich aktualisierten Empfehlungen der Pfälzer Gemüsebauberatung in Neustadt/Wstr. sein. Sie werden in Hortigate.de zum Online-Abruf angeboten. Für Abonnenten sind sie kostenlos, ansonsten gegen eine Gebühr, abrufbar.

Anbau- und Sortenhinweise für den Anbau in der Pfalz
Hortigate: Pastinake, Frischmarkt, Industrie: Anbau- und Sortenhinweise für den Anbau in Rheinland-Pfalz


Pastinaken Direktsaatkultur

Zum Anbau von Pastinaken werden die Samen direkt ins Feld gesät. Die übliche Saattermine, liegen je nach Region, im März und April. Je qm sind etwa 25 Pflanzen erwünscht. Gesät wird teilweise, ähnlich wie beim Möhrenaunbau, auch auf Dämme. Als Sägeräte kommen Geräte von Miniair oder Gaspardo in Frage.

Schosserbildung

  • Beim Anbau von Pastinaken kann es durch eine vorzeitige Blütenbildung zu Ertragsausfällen kommen.
  • Sämlinge ab dem Acht-Battstadium können durch niedrige Temeraturen venalisieren.
  • Temperaturen von 0 bis 10°C und isbereiche Werte von 2 bis 6°C können die Blütenbildung stimulieren.
  • Es gibt gewisse sortenunterschiede bezüglich der Schosstoleranz.
  • Vorsichtshalber mit der ertenSaat warten bis der Boden mindestens 10°C hat.
  • Bei ungünstiger Witterrung kann es hiflreich sein, den Bestand mit einem Vlies zu bedecken.


Pastinaken Bilder

Nährstoffversorgung und Düngung

PDF-Datei zum Runterladen.

Eine detaillierte Anleitung zur Nährstoffversorgung beim Anbau von Pastinaken gibt es in der angehängten PDF-Datei.

Weitere Infos


Pflanzenschutz

Möhrenfliegen Schaden an Pastinake

Pastinaken-Bestände können ähnlich wie bei den verwandten Möhren von Krankheiten und Schädlinge befallen werden. Ohne Pflanzenschutzmaßnahmen kann es zu Totalausfällen kommen.
Umfangreiche Informationen gibt es in einem extra Artikel.
siehe:
Pastinaken Pflanzenschutz

Beikrautregulierung

Beispiel Restunkräuter

Die Unkrautbekämpfung beim Anbau von Pastinaken erfordert einen beachtlichen Zeitaufwand und kostet viel Geld. Eine große Hilfe bietet in jedem Falle die optimierte Feldhygiene sowie das "Falsche-Saatbeet". Diese beiden Verfahren sind zu ergänzen mit einer mechanischen Unkrautbekämpfung und im konventionellen Anbau durch den Einsatz von Herbiziden. Im Einzelfall kann auch der Anbau in Mulchfolie hilfreich sein.

Feldhygiene

Falsches Saatbeet

Hierbei geht es um vorbeugende Maßnahmen. Dauerunkräuter möglichst schon beim ersten Auftreten ausschalten und nicht warten bis sich schon große Bestände gebildet haben. Zur Eindämmung des Samenunkräuter Drucks, diese nie Samen bilden lassen. Wird das konsequent durchgeführt, verringert sich der Unkrautdruck von Jahr zu Jahr. Nähere Infos zur Feldhygiene gibt es unter den folgenden Links.

Falsches-Saatbeet

Beispiel Hackgerät

Eine sofortige, große Erleichterung bei der Unkrautbekämpfung bringt das "Falsche-Saatbeet". Nähere Infos zur Anwendung gibt es unter dem folgenden Link.

Mechanische Unkrautbekämpfung

Bei den üblicherweise direkt ins Feld gesäten Pastinaken kann eine mechanische Unkrautbekämpfung hilfreich und sinnvoll sein.

  • Hilfreich ist es, den Reihenabstand der vorhandenen Hacktechnik anzupassen
  • Lieber in den Reihen etwas enger säen und dafür weitere Reihenabstände wählen
  • Je jünger die Unkräuter, desto leichter die mechanische Bekämpfung
  • In niederschlagsarmen Regionen und auf leichteren Böden ist die mechanische Unkrautbekämpfung am ehesten erfolgreich

Herbizideinsatz

Herbizid Effekt Unkraut

In konventionell arbeitenden Betrieben ist der Einsatz bzw. die Nutzung von Herbiziden üblich. Um damit langfristig erfolgreich arbeiten zu können, sind die Zulassungsbedingungen zu beachten und ein ist sachgerechte Anwendung nötig. Dazu gehört auch eine Begrenzung der Anwendungen innerhalb einer Fruchtfolge, um so die Selektion von nicht erfassten Unkrautarten zu verhindern. Nähere Infos zu Herbiziden und deren Einsatz gibt es unter den folgenden Links.

Link zur Indikationssuche im Gemüsebau 

Weitere Infos


Ernte

Frisch geerntete Rüben

Pastinaken Rüben werden nach ihrer vollen Entwicklung im Herbst und Winter bis zum frühen Frühjahr mit Vollertner gerodet. Da die Rüben recht frosthart sind ist eine Winterernte möglich. Diese geht jedoch nur, wenn die Böden nicht zu nass sind. Für eine Ernte im Winter eignen sich deshalb insbesondere leichtere, gut regenverdauliche Böden.

Videos zur Ernte


Rübenlagerung

Pastinak Rüben sind sehr welkeempfindlich. Bei Temperaturen über 10°C und trockener Luft werden sie schnell welk und damit ungeeignet für eine Vermarktung. Als optimale Lagertemperatur beträgt 0-1°C.
Siehe auch in Hortipendium: Lagerempfehlung im Gemüsebau


Marktaufbereitung

Die gerodeten Pastinaken werden mit Rüben-Waschmaschinen gereinigt und danach meist in verdunstungsschützenden Pastikboxen verpackt.


Videos zur Marktaufbereitung


Anbaubetriebe

Ein Großteil des Pastinaken Anbaus erfolgt in landwirtschaftlichen Betrieben, die den Pastinaken Anbauschwerpunkt meist mit einem großen Maschineneinsatz betreiben. Insbesonder im Biobereich gibt es aber auch ein ganze Reihe kleiner Betriebe, die ihre Pastinaken im Hofladen, auf Wochenmärkte oder sogar auch über den Versandhandel den Endverbrauchern anbieten

Eimers in Hamminkeln (NRW)

Hofgut Petersau

  • Demeter Hofgut Petersau GmbH & Co. KG
  • Homepage
  • Produktionstätte: Petersau 6, 67227 Frankenthal
  • Firmensitz: Demeter Hofgut Petersau GmbH & Co. KG, Speyererstr. 19, 67112 Mutterstadt (D)
  • Angebot: Bio-Pastinaken als Kleinpackung mit 500g.

Morgentau in Kleinniedesheim (Pfalz)

Trübenecker in München

Zmmermann in Frankenthal (Pfalz)

  • KarlZmmermann, Gemüsebau, Im Klosgarten, Frankenthal (D)
  • Vermarktung über den Pfalzmarkt
  • Angebot: Kleinpackungen mit 500g


Marktangebot

Pastinaken Rüben werden heutzutage vorwiegend in Kleinpackungen mit 500 g angeboten. Neben der IP-Ware auch ein größeres Angebot ald in Bio-Qualität. Da die Rüben relativ schnell welken, erfolgt das Warenangebot vorwiegend in folierten Schälchen.

Wert als Nahrungsmittel

Der Verzehr von Pastinaken kann einen wertvollen Betrag zur gesunden Ernährung des Menschen leisten. So empfehlen z.B. die „Deutsche Gesellschaft für Ernährung“ und die „Deutsche Krebsgesellschaft“ im Rahmen der Kampagne „5 am Tag“, fünf Mal am Tag eine Portion Obst und Gemüse zu essen.
Einen umfassenden Überblick über gesundheitliche Wirkungen von Gemüse findet man über die Internetseite „Gemüse-ist-mehr als eine Nahrungsmittel“. Hier werden Forschungsergebnisse aus der ganzen Welt in knapper, gut lesbarer Form aufgelistet und die vorbeugende Wirkung von Gemüse auf viele, meist chronische Erkrankungen dargelegt.


Anbauflächen Entwicklung

Die Pastinake war lange eine "Vergessene Gemüsert". In den letzten jahre hat sie an Bedeutung gewonnen.

Anbau in den Niederlanden

Die Pastinaken Anbaufläche in den Niederlanden liegt im Bereich von 290 bis 410 ha.

Anbaujahr ha Anbau
2017 290
2018 370
2019 370
2020 410
2021 380

Quelle: StatLine

Anbau in der Schweiz

Der Anbau von Pastinaken gewinnt an Bedeutung.

Anbaujahr ha Anbau Tonnen
2010 5 55
2020 40 1.100

Quelle: Schweizer Bauer

Weiter Infos


Internationale Bezeichnung

Flag of Germany.svg Deutsch Pastinake, Gartenpastinak, Hammelsmöhre
Flag of the United Kingdom (1801).png Englisch parsnip
Flag of Bulgaria.png Bulgarisch pastarnak
Flag of China.png Chinesisch (Mandarin) mei-chu-fang-feng
Flag of Denmark (2004 World Factbook).gif Dänisch pastinak
Flag of Finland.png Finnisch palsternakka
Flag of France.png Französisch panais, pastenaque, patenais
Flag of Greece.png Griechisch elaphovoskon
Flag of Italy (1946–2003).png Italienisch pastinaca
Japan flag - variant.png Japanisch amerika-bofü
Flag of the Netherlands.svg Niederländisch pastinaak
Flag of Norway.svg Norwegisch pastinakk
Flag of Poland.svg Polnisch pasternak zwyczajny
Flag of Portugal.svg Portugisisch pastinaga
Flag of Romania.svg Rumänisch pastirnac comun
Flag of Russia.svg Russisch pasternak posevnoj, Пастернак посевной
Flag of Sweden.svg Schwedisch palsternacka
Flag of Spain.svg Spanisch pastinaca
Flag of Turkey.svg Türkisch kara kavza
Flag of Hungary.svg Ungarisch pasztinák


Siehe auch in Hortipendium


Quellen

  • Schlaghecken Josef, Gerhard Engl, Achim Maync, Joachim Ziegler (10/2002): Neustadter Hefte - Anbau und Sortenhinweise für den Gemüsebau 2003/2004. DRL Rheinpfalz. Neustadt an der Weinstraße. 
  • Josef Schlaghecken (2017): Rund um das Saatgut: Pastinaken. In: Zeitschrift "Gemüse". 53. Nr. 6. Seite 43-44. 


Weblinks